Gesunder Lebensstil | Ernährung bei Diabetes
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Diabetes Typ 2 – Ernährung als Medizin

 

Diabetes mellitus Typ 2 („Zuckerkrankheit“) ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper zu wenig vom Hormon Insulin produziert oder das Insulin nicht mehr richtig wirken kann („Insulinresistenz“). Die Folge sind chronisch erhöhte Blutzuckerwerte. Hohe Blutzuckerwerte erhöhen das Risiko für Gefäßschäden und können eine Reihe von schwerwiegenden Komplikationen mit sich bringen.

 

Früher als typischer „Alterszucker“ bezeichnet, tritt der Typ-2-Diabetes heute häufig bereits im mittleren Lebensalter auf. Die Ursachen: genetische Vorbelastung, unausgewogene Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel.

 

Viele Menschen trifft die Diagnose unerwartet – ist der hohe Blutzucker doch lange nicht spürbar. Die Anzahl an Betroffenen, die von ihrer Erkrankung nichts wissen und daher auch unbehandelt bleiben, ist hoch. Wird der Diabetes entdeckt, steht man einer Reihe von Empfehlungen betreffend seines Lebensstils gegenüber – rasch sollte „alles anders“ werden.

Die gute Nachricht!

 

Sie können selbst etwas tun. Eine Veränderung des Lebensstils kann die Erkrankung verbessern und das Fortschreiten beziehungsweise die Entstehung von Folgeerkrankungen verhindern. Ausgewogene Ernährung und ein aktiver Lebensstil sind neben der Behandlung mit Medikamenten wichtige Säulen der Therapie.

 

Der/ die klassische Typ-2-DiabetikerIn profitiert davon das Körpergewicht zu reduzieren bzw. Körperfett ab- und Muskelmasse aufzubauen. Bereits eine geringe Gewichtsabnahme verbessert die Insulinwirkung deutlich.

Gesund essen als Teil des Selbstmanagements bei Diabetes

 

Seinen Lebensstil zu verändern geht nicht von heute auf morgen. Ernährungsgewohnheiten sind meist tief geprägt und diese zu verändern ist ein längerer Prozess. Ziel sollte eine schrittweise aber dauerhafte Ernährungsumstellung sein, die genügend Raum für Genuss lässt ohne zu hungern. Eine strenge „Diabetes-Diät“ wie früher üblich gibt es heute nicht mehr. Eine ausgewogene Ernährung wie sie auch für Gesunde empfohlen wird, ist auch für DiabetikerInnen geeignet.

Ballaststoffreich essen

 

Ballaststoffe sind die Schlüsselsubstanzen für Ihren Blutzucker. Ballaststoffreiche Lebensmittel lassen den Blutzucker nur langsam ansteigen. Zusätzlich sättigen sie gut, fördern eine gesunde Darmtätigkeit und senken den Cholesterinspiegel. Vollkornprodukte, Gemüse und Hülsenfrüchte sind durch ihren Gehalt an diesen unverdaulichen Pflanzenfasern natürliche „Blutzuckerbremsen“ und unterstützen gleichzeitig bei der Gewichtsreduktion.

Good Carbs statt No Carb

 

Kohlenhydratlieferanten wie Nudeln, Reis und Kartoffeln lassen den Blutzucker nach der Mahlzeit ansteigen. Das ist grundsätzlich notwendig und erwünscht. Allerdings sollte der Blutzuckeranstieg langsam und nicht zu hoch erfolgen, um eine gute Blutzuckerkontrolle zu gewährleisten.

 

Weißmehlprodukte schnellen rasch ins Blut, wohingegen Getreideprodukte mit einem hohen Ballaststoffgehalt einen langsamen und gleichmäßigen Blutzuckeranstieg gewährleisten. Wählen Sie als gekochte Beilage in etwa eine Hand voll Getreideprodukt bzw. 1-2 Scheiben Vollkornbrot. Besonders eignen sich Haferflocken, Rollgerste, Zartweizen, Dinkelreis, Bulgur, Naturreis, Vollkornteigwaren und Ähnliches.

„Zuckerquellen“, die den Blutzucker rasch ansteigen lassen, vermeiden

 

Zucker in Flüssigkeiten (zB.: Limonaden, Fruchtsäfte, gezuckerter Tee und Kaffee) ist besonders ungünstig, da der Zucker „ungebremst“ vom Körper aufgenommen wird. Zucker in „verpackter“ Form (zB.: in Kuchen oder Mehlspeisen) können bei einer guten Blutzuckereinstellung selten und in kleinen Mengen genossen werden.

SÜSSEN mit SÜSSSTOFFEN

 

Künstliche Süßstoffe stellen für DiabetikerInnen eine Alternative zu Zucker dar. Fällt es schwer auf gesüßte Getränke zu verzichten, können zuckerfreie Limonade mit künstlichen Süßstoffen hin und wieder diesen Gusto stillen. Auch zum Süßen von Tee und Kaffee können Süßstofftabletten genutzt werden.

Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit, Mannit oder Fruktose sind kein günstiger Zuckerersatz. Erythrit und Stevia können bei Bedarf Zucker teilweise ersetzen.

Generell ist es empfehlenswert sich langfristig an weniger süßen Geschmack zu gewöhnen und auch bei Zuckerersatzstoffen mit geringen Mengen auszukommen.

Spezialprodukte für DiabetikerInnen

 

Spezielle Diabetikerprodukte bringen meist keinen Vorteil. Diabetikerschokolade, Diabetikerkekse, Diabetikerkuchen enthalten meist viel Fett und sind häufig mit Fruchtzucker gesüßt, der den Blutzucker auch ansteigen lässt und eine ungünstige Stoffwechselwirkung hat.

Fett – Qualität vor Menge

 

Fett ist ein lebensnotwendiger Nährstoff, der jedoch gleichzeitig sehr energiereich ist. Wir nehmen durchschnittlich doppelt so viel Fett zu uns wie der Körper benötigt. Fettarm essen ist meistens ein wichtiger Schritt, um Gewicht zu reduzieren.

 

Verwenden Sie zum Kochen hochwertige Pflanzenöle (Rapsöl, Olivenöl) und gehen Sie mit Streichfett sparsam um. Vor allem bei tierischen Produkten sollte man fettarmen Sorten den Vorzug geben. Das betrifft vor allem Fleisch, Wurst, Milchprodukte und Käse.

1 – 2 Fischmahlzeiten pro Woche sollten eine Portion „fetten“ Fisch enthalten. Die Omega-3-Fettsäuren in Lachs, Hering, Sardinen, Saibling und Forelle schützen das Herz-Kreislauf-System.

Eine kleine Hand voll Nüsse pro Tag (v.a. Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse) sind für DiabetikerInnen empfohlen.

Werden Sie Ihr eigener Diabetes-Manager

 

Rund 600.000 Menschen (8-9%  der Bevölkerung) leben in  Österreich derzeit mit der Diagnose Diabetes Typ 2. Durch die Behandlung des Diabetes verbessert sich das Wohlbefinden und  Komplikationen lassen sich langfristig verhindern.

Eine ausgewogene Ernährung, ein maßgeschneidertes Bewegungsprogramm, eine gute medikamentöse Einstellung durch den Arzt, Selbstkontrollen des Blutzuckers und der regelmäßige Besuch von Diabetesschulungen gehören zum Selbstmanagement bei Diabetes mellitus.